Münzen sind weit mehr als bloße Zahlungsmittel, sie sind auch Informationsträger. Mit ihnen werden politische Agenden, traditionelle Symbole und herrschaftliche Motive von einer Hand zur nächsten weitergereicht. Auch wenn sich die Münzbilder optisch den jeweiligen Zeiten angepasst haben, bleibt ihre Funktion, Botschaften zu übermitteln, bis heute erhalten.

Welche Abbildungen lassen sich auf den heimischen Münzen wiederfinden? Inwiefern verändert sich das Münzbild der letzten vier Großherzöge? Anhand einer Gegenüberstellung des Luxemburger Franken und des Euro wird im Folgenden versucht, diese Fragen zu klären. Dabei wird das Augenmerk auf die 1-LUF- und 1-€-Münze der Großherzogin Charlotte und der Großherzöge Jean, Henri und Guillaume gelegt.

Das von Nina und Jean Lefèvre entworfene Porträt des Großherzog Jean schmückt die Vorderseite der 1-LUF-Münze. 

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Die hart arbeitenden Untertanen

Die erste nationale Münze überhaupt war der Luxemburger Franken (LUF). Er wurde 1924 ausgegeben und bestand aus „gutem Nickel“. Nach einem Entwurf von Armand Bonnetain wurde er in Brüssel geprägt. Die 1-LUF-Münze wurde schon bald unter dem Namen Feierstëppler bekannt – benannt nach dem darauf dargestellten Stahlarbeiter, der gerade einen Schmelztiegel ansticht. Die Stahlindustrie ist jener industrielle Wirtschaftszweig, der dem Großherzogtum zu Aufschwung und Wohlstand verhalf. Fünf Jahre nach dem Amtsantritt der Großherzogin möchte man auf diese Weise die hart arbeitenden Männer ehren und der Bevölkerung zeigen, dass schweißtreibende Arbeit ein Grundpfeiler der luxemburgischen Nation ist. 

Die zweite, erneut von Bonnetain entworfene Ausgabe der 1-LUF-Münze aus dem Jahre 1939 widmet sich der Landwirtschaft. Allegorisch dargestellt als Landwirtin mit Sichel und Kornähren in den Händen symbolisiert sie ihren Beitrag zum Wohlstand der luxemburgischen Bevölkerung. Somit wurden die beiden zentralen Berufssparten durch eine männliche und eine weibliche Figur repräsentiert. Auf der Vorderseite beider Münzen ist das gekrönte Monogramm der Großherzogin Charlotte zu sehen. Dies veranschaulicht nicht nur die Souveränität Luxemburgs, sondern auch die Verbundenheit des Herrscherhauses mit der Bevölkerung. Beide Komponenten sind symbolisch durch die Vorder- und Rückseite der Münze miteinander verbunden. Allerdings unterscheiden sich die beiden Münzausgaben in ihrer Umschrift und der gewählten Sprache. Während auf den Franken vor 1939 noch die französischsprachige Herkunftsbezeichnung LUXEMBOURG verwendet wurde, entschied man sich 1939 bewusst dazu, die luxemburgische Sprache zu verwenden, um vor allem dem deutschen Aggressor die Eigenständigkeit und kulturelle Identität der Nation zu verdeutlichen. Auffallend ist, dass das Porträt der Großherzogin auf dem 1-Franken-Stück nicht zu finden ist. Auf den 5-, 10-, 100- und 250-Francs sowie auf den 5- und 10-Centimes hingegen ist ihr Porträt mit variierender Blickrichtung, mal nach links, mal nach rechts, abgebildet.

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Die Symbolik der Kontinuität

Mit der Abdankung von Großherzogin Charlotte im Jahre 1964 beginnt die Herrschaftszeit ihres Sohns, Großherzog Jean. Sein Porträt schmückt die Vorderseite der 1-LUF-Münze, die von Nina und Jean Lefèvre entworfen und in Brüssel geprägt wurde. Der Großherzog blickt nach links. Bereits zum 600. Todestag von Johann dem Blinden erschien eine Münzserie, die seine prinzlichen Gesichtszüge zeigte. In Kombination mit der Darstellung von König Johann von Böhmen sollte sie die historische Kontinuität der Herrscherlinie unterstreichen. 

Im Gegensatz zu dieser Serie ist die 1-LUF-Münze des Großherzogs schlicht gehalten: Die Rückseite zeigt das Wertsymbol in zentraler Position, darüber eine Krone, darunter eine Lorbeergirlande. In späteren Prägungen wurde die Girlande durch den Schriftzug LËTZEBUERG ersetzt. Die Verwendung der luxemburgischen Sprache soll dabei abermals die Souveränität des Landes betonen. Zwischen der Girlande und dem Wertsymbol ist das Institut Monétaire Luxembourgeois als Prägeanstalt angegeben. Das Prägejahr 1987 ist entweder durch die Krone geteilt oder unterhalb der Lorbeergirlande positioniert. Der Lorbeer wird seit der Antike als Zierde für die Häupter siegreicher Feldherren, Könige, Kaiser und Götter genutzt. Auch die Krone ist ein solches Herrschaftssymbol, wenngleich es sich hierbei um ein fiktives Attribut handelt, da die luxemburgischen Herrscher keine reale Krone besitzen. Die dargestellte Krone ähnelt den seit dem Mittelalter üblichen Seitenbügelmodellen, welche mit Schmucksteinen und einem Kreuz verziert sind. Somit sind die wichtigsten Herrschaftssymbole in einem einzigen Münzbild vereint und zugleich zeitgenössisch in Szene gesetzt.

1 Franc - Charlotte

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Alles neu und doch vertraut

Das Großherzogtum Luxemburg ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und ihrer Institutionen. In diesem Zusammenhang wurde auch hierzulande im neuen Jahrtausend der Euro als Zahlungsmittel eingeführt. Die Vorderseiten der Euromünzen sehen alle gleich aus: Sie zeigen die Europa-Karte neben dem Wertsymbol. Das Design der Rückseite der Euromünzen variiert von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat, wobei die 12 Sterne der Europäischen Unionals umrahmendes Element stets erhalten bleiben. 

Für die luxemburgische Ausführung zeichnet die landesweit bekannte Bildhauerin und Medailleurin Yvette Gastauer-Claire verantwortlich. Sie entschied sich für das Porträt des am 7. Oktober 2000 eingeführten Großherzogs Henri. Dieser blickt im Gegensatz zu seinem Vater, Großherzog Jean, nach rechts. Damit etabliert sich ein Trend: Die Blickrichtung der Porträts wechselt von Generation zu Generation. Im Gegensatz zu den 1-LUF-Münzen seiner Vorgängerinnen ist auf den neuen Euro- und den 10-, 20- sowie 50-Cent-Münzen das Profil von Großherzog Henri stark vereinfacht dargestellt. Es wirkt, als sei sein Gesicht aus Stein gemeißelt oder – in Anlehnung an Luxemburgs industrielle Vergangenheit – aus Metall gestanzt. Durch die Zweiteilung des Münzbilds ist sein Kopf auf der Rückseite der 1-€-Münze nicht vollständig abgebildet. Dafür treten das Prägejahr und LËTZEBUERG als Herkunftsbezeichnung deutlich hervor. In die Regierungszeit von Großherzog Henri fällt auch der politische Trend, die luxemburgische Sprache aufzuwerten und verstärkt zu nutzen. Somit wird die seit 1939 etablierte Tradition, die Herkunftsbezeichnung auf Münzen in luxemburgischer Sprache anzugeben, entsprechend fortgeführt.

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Tradition neu interpretiert

Für die zweite Euro-Münzserie wurden zwei Künstler engagiert: die italienische Grafikerin Chiara Principe und der österreichische Graveur Helmut Andexlinger. Die Rückseite der daraus resultierenden 1-€-Münze zeigt Großherzog Guillaume, der seit dem 3. Oktober 2025 im Amt ist. Wie Großherzog Jean blickt er auf der Münze wieder nach links. Nicht nur die Blickrichtung ist die des Großvaters, auch die Darstellung ist wieder realitätsnah. Die Herkunftsbezeichnung – wieder auf Luxemburgisch – und das Prägejahr teilen das Bild, jedoch nicht wie zuvor den Kopf des Großherzogs. Ein neues gestalterisches Element wurde hinzugefügt: der gekrönte Löwe. Er ist das seit den mittelalterlichen Tagen verwendete und populäre Hoheitssymbol des Großherzogtums. Obwohl während der Trounwiessel-Feierlichkeiten die neudesignte Krone im Vordergrund stand, ziert der traditionelle Roude Léiw die 1- und 2-€-Münzen. In Kombination mit dem Schriftzug LËTZEBUERG vereint das Münzbild unter Großherzog Guillaume traditionelle und moderne Elemente. Man kann von einer zeitgemäßen Neuinterpretation historischer Symbole sprechen, die Ausdruck von Kontinuität und Wandel zugleich ist. 
 

Text:  Maurice Krieger (Cabinet des Médailles) - Bilder: Eric Chenal

Quelle: MuseoMag N° I - 2026