Seit mehreren Jahren investiert das Team des MNAHA viel Arbeit in die Aktualisierung seines Inventars sowie in die optimale Lagerung seiner Kunst- und Objektsammlungen.
In regelmäßigen Abständen werden aus diesem Grund Großprojekte durchgeführt, um Sammlungsbereiche zu kontrollieren und deren Lagerbedingungen zu verbessern – wie bereits erfolgreich bei der Möbelsammlung.
Ende 2025 wurde nun die umfangreiche Sammlung an Takenplatten des Museums in Angriff genommen. Mit dem sogenannten „Takenprojekt“ haben wir, wie auch beim „Möbelprojekt“, gleich mehrere Ziele verfolgt: Neben der systematischen Bestandsüberprüfung und der Aktualisierung der Datenbestände stand vor allem eine logistische Umorganisation im Vordergrund. Auch die Takenplatten sollten künftig übersichtlicher und leichter zugänglich gelagert werden. Um den verfügbaren Platz optimal zu nutzen und die Objekte unter bestmöglichen konservatorischen Bedingungen zu lagern, müssen Depotkonzepte und Organisationsstrukturen regelmäßig überdacht und angepasst werden.
© Tom Lucas, MNAHA
Die Takenplatte
Takenplatten sind Kaminplatten aus Gusseisen mit mehreren Funktionen. Einerseits sollten sie die Kaminwand vor dem offenen Herdfeuer schützen, andererseits die Wärme in den angrenzenden Raum abstrahlen. Häufig befand sich dort die Wohnstube, wo die Platten oft mit dekorativen Motiven versehen wurden, um den Raum zu verzieren. Takenplatten waren eine Weiterentwicklung des Herdfeuers, gewissermaßen eine frühe Form der Warmluftheizung. Sie ermöglichten es, mehrere Räume mit einem einzigen Feuer heizen zu können, da die Wärme durch die Tak übertragen wurde.
Zur Herstellung von Takenplatten wurde das gewünschte Motiv oder eine ältere Platte in Sand gedrückt, anschließend wurde flüssiges Metall in diese Form gegossen. Die Erzeugung neuer Gussformen durch den Abdruck einer bestehenden Platte ermöglichte auch die einfache Anfertigung von Nachgüssen und Kopien, was uns heute eine genaue Datierung der einzelnen Stücke erheblich erschwert.
Da die Takenplatten aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts nur selten bewegt werden, bot dieses Projekt die besondere Gelegenheit, jede einzelne Platte genauer zu untersuchen.
© David Heltemes, MNAHA
Umsetzung des Projektes
Bis zum Projektstart wurden unsere rund 450 Takenplatten zusammen mit anderen gusseisernen Objekten, hauptsächlich Öfen, im selben Raum aufbewahrt, welcher mit der Zeit immer voller wurde. Die Lösung: Die Platten sollten auf neue Schwerlastregale umgelagert werden.
Bei dieser Neuorganisation wurde mit dem traditionellen Konzept gebrochen, Objekte derselben Gattung räumlich beieinander zu lagern. Dank der digitalen Museumsdatenbank Museonet, in der die genauen Lagerorte hinterlegt sind, lassen sich Objekte jederzeit schnell wiederfinden. Diese ortsunabhängige Lagerung eröffnet völlig neue Möglichkeiten für eine effiziente Raumnutzung.
Da einige Takenplatten über 100 Kilogramm wiegen, werden sie nur möglichst selten bewegt. Der anstehende Transfer bot daher die perfekte Gelegenheit, jede einzelne Platte gründlich zu überprüfen und zu begutachten.
Im ersten Schritt wurden die Gestelle mit den Takenplatten aus ihrem bisherigen Depotraum geholt. Die Takenplatten lagern in eigens für sie angefertigten Gestellen, die jeweils bis zu 15 Platten vertikal aufnehmen können und sich per Hubwagen bewegen lassen, was den Transport immens erleichtert. Außerhalb des ehemaligen Lagerraumes wurden die Platten einzeln aus den Gestellen gehoben. Aufgrund ihres enormen Gewichts wurde das Museumsteam dabei von einer externen Fachfirma und durch den Einsatz eines Krans unterstützt.
Anschließend durchlief jede einzelne Platte den gleichen Prozess: Zunächst wurde die Platte auf eine Inventarnummer überprüft. Fehlte diese, bedurfte es weiterer Recherchen. Viele der unmarkierten Platten waren noch bis 2009 im Museum ausgestellt; auf ihnen klebte noch der alte Ausstellungszettel. Mit deren Hilfe und alten Ausstellungslisten konnten die zugehörigen Nummern dieser Platten meist in der digitalen Datenbank ermittelt werden. War eine Zuordnung auch nach längerer Recherche nicht möglich, wurde eine Retro-Inventarnummer vergeben.
Jedem Objekt und Kunstwerk in der Sammlung des Museums ist eine Inventarnummer zugewiesen. Sie dient zur Identifikation und Dokumentation des Gegenstandes. Fehlt einem Objekt, das sich bereits in der Sammlung des Museums befindet, diese Nummer, entweder weil nie eine vergeben wurde oder weil die entsprechende Nummer auch nach Recherchen nicht gefunden werden konnte,wird dem Objekt eine Retro-Inventarnummer zur Identifikation zugeteilt.
Sobald eine Inventarnummer feststand, wurden Vorder- und Rückseite der Platte vor weißem Hintergrund fotografiert. Es folgte eine Kontrolle der Maße und des Erhaltungszustandes. Diese Informationen sowie eventuell fehlende Details wurden in der Datenbank Museonet überprüft, ergänzt und aktualisiert. Zuletzt wurden die Gestelle mit den Platten an ihren neuen Platz im Depot transportiert und der jeweilige Lagerplatz wurde im System entsprechend angepasst.
Durch die übersichtliche Lagerung der Takenplatten wird der Zugriff deutlich einfacher, was die tägliche Arbeit mit den Objekten nachhaltig verbessert.
© MNAHA
Die Sammlung sichtbar machen
Im Anschluss an die Arbeiten im Depot wurden die einzelnen Objekte digital erfasst, um sie der Öffentlichkeit online auf der Museumswebsite zugänglich zu machen.
Hierfür mussten zunächst die vorhandenen Informationen, vor allem zur Herkunft der Platten, überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Sofern vorhanden, wurden dazu die internen „Notes d’acquisition“ ( Vermerke zum Erwerb ) hinzugezogen. Damit konnten Angaben zu Datierung, Eigentümern, geografischen Bezügen, Erwerbsart, Provenienz und Bildrechten auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Gerade bei den Angaben zu Herkunft und Eigentumsrechten fehlte jedoch häufig ein einheitlicher Standard. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Takenplatten-Kollektion im Laufe der Zeit von verschiedenen Personen und Gruppen zusammengetragen wurde.
Nachdem alle Informationen soweit möglich überprüft und abgeglichen worden waren, konnten die Takenplatten unter Collections auf unserer Internetseite hochgeladen werden. Dadurch sind sie für Interessierte, Forschende und die breite Öffentlichkeit einsehbar. Derzeit sind zudem vier unserer Takenplatten im Museum ausgestellt.
© Tom Lucas, MNAHA
Die Sammlung
Takenplatten befinden sich seit über 100 Jahren in der der Sammlung des Museums. Ein Teil wurde bereits vor 1914 zusammengetragen. Informationen über diese Platten finden sich in der Zeitschriftenreihe Ons Hémecht in den Ausgaben von Mai bis August 1914.
Einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der Sammlung leistete die Section Historique, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Platten zusammentrug. Genauere Angaben zu den einzelnen Kamin- und Ofenplatten sowie zu ihrer Herkunft und Erwerbung finden sich in der Reihe Publications de la Section historique, insbesondere in den Bänden 64-67. Diese Publikationen ermöglichen es, wichtige Informationen wie Provenienz, Herkunftsort, eventuelle Anschaffungskosten und frühere Eigentümer zu ermitteln.
Die ab 1940 gesammelten Takenplatten gehören mehrheitlich dem Museum. Ein besonders interessantes Beispiel ist das Exemplar mit der Inventarnummer 1948-057. Auf dieser Platte ist das Wappen von Karl V. dargestellt. Darauf befindet sich der deutsche Adler auf dem burgundischen Kreuz, das von einem Greif und einem Löwen gehalten wird. Über dem Wappen steht die lateinische Inschrift „Plus ultra“, was so viel wie „noch weiter“ bedeutet. Es war das damalige persönliche Motto Karls V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Herzog von Burgund und König von Spanien. Noch heute ist dieser Wahlspruch das nationale Motto Spaniens.
Nicht jede Takenplatte zeigt ein Wappen, auch biblische Themen wie die Kreuzigung Christi, das Opfer Abrahams oder die eherne Schlange sind beliebte Motive. Dazu kommen mythologische Szenen, Figuren und Mischwesen, welche häufig die Platten schmücken.
Letztlich sind Takenplatten ein spezifisches Kulturgut der Großregion und von besonderer Bedeutung für die Forschung. Ihr beträchtliches Gewicht und ihre stattliche Größe erschweren jedoch die direkte Arbeit mit den Objekten erheblich. Die Bereitstellung der Sammlung in digitaler Form ist daher ein sehr wichtiger Beitrag zur lokalen und internationalen Forschung und erleichtert den Zugang zu diesen Objekten enorm.
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Text: Mike Arrensdorff & Jim Mathieu (Section Histoire luxembourgeoise contemporaine & Service Dépôt) – Bilder: Tom Lucas, David Heltemes (MNAHA)
Quelle: MuseoMag N° III – 2026